Amt Britz-Chorin-Oderberg

Geschichte

Hohenfinow ist aus einem kleinen spätslawischen Siedlungsgebiet entstanden. Es gab mehrere Wohnplätze in den kurzen wasserführenden Tälern, die den Rand des Barnimplateaus zum Finowtal hinunter zerschneiden. Das Gebiet war dünn besiedelt vom slawischen Stamm der Ukranen. Diese wurden seit dem 12. Jahrhundert auf Grund ihrer schwach ausgeprägten Stammesgewalt zum Expansionsziel mächtiger Nachbarn. So stießen auch die askanischen Markgrafen von Brandenburg ostwärts entlang der Finow vor.

Die Finowlinie wurde mit Burgen befestigt. Nach Oderberg (um 1213) folgte Hohenfinow. Die Verteidigungsfunktion dieser Burgen war jedoch nur von kurzer Dauer. Sie währte lediglich bis in das Jahr 1230. An der Nordspitze des Schlossbergs bei Amalienhof, heute zu Falkenberg gehörend, finden wir ein kleines rechteckiges Plateau, abgegrenzt durch einen etwa 3 m tiefen Graben. Eine am Rand wallartig erhöhte Terrasse zieht sich um das Plateau. Obwohl nicht bewiesen, nimmt man an, dass es sich hier möglicherweise um einen slawischen Burgwall handelt, der später mit der urkundlich erwähnten Burg Hohenfinow überbaut worden ist. Mitte des 15. Jahrhunderts wurde die Feste, die hoghe Vinow, aufgegeben und zerfiel. Bis dahin gehörten zum Burglehen u.a. die beiden Städtchen Hohenfinow und Niederfinow. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts war dieser Besitz zerfallen.

Die Familie Sparr aus dem benachbarten Tornow erwarb 1408 das Städtchen Hohenfinow und behielt es bis 1607. Wegen Überschuldung wechselte das Gut danach mehrfach den Eigentümer. General von Börstel, seit 1668 Eigentümer , begann mit dem Schlossbau in Hohenfinow und ließ einen barocken Park anlegen. Die Dorfaue wurde mit Walnussbäumen bepflanzt, der Tabak- und Obstbau eingeführt, die Landwirtschaft entwickelt, so dass der Taxwert von Hohenfinow sich mehr als verzehnfachen konnte. Über den Freiherrn Franziskus Matthäus von Vernezobre, der Hohenfinow Anfang des 18. Jahrhunderts erwarb, gelangte das Gut Mitte des 19. Jahrhunderts an die Familie von Bethmann Hollweg. Sie entwickelte den mittlerweile 8900 Morgen umfassenden Besitz nach dem Vorbild des ostelbischen Junkertums zu einem landwirtschaftlichen Großbetrieb mit kapitalistischen Zügen. Traditionelle landwirtschaftliche Produktion, betrieben auf großen Schlägen, wurde ergänzt durch eine Brennerei , eine Dampfschneidemühle, eine Ziegelei u.a.m.

1909 wurde Theobald von Bethmann Hollweg, ein Jugendfreund Wilhelms II., Reichskanzler und preußischer Ministerpräsident. Vielfach hat er seine Regierungsgeschäfte auch von seiner Hohenfinower Besitzung aus geführt.

Die landwirtschaftliche Produktion blieb auch nach 1945 wichtigster Arbeitgeber in Hohenfinow. 1945 wurden mit der Bodenreform auch die Bethmann Hollweg’schen Besitzungen aufgeteilt. Mit der „sozialistischen Umgestaltung“ (Kollektivierung) der Landwirtschaft kam es zur Gründung einer Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG), die darüber hinaus auch die wenigen, nicht von der Bodenreform betroffenen, Bauernstellen mitbewirtschaften konnte. Die übrigen Flächen wurden durch das Volkseigene Gut (VEG) Hohenfinow bewirtschaftet.

Daneben gab es in Struwenberg (ehemaliger Ortsteil von Hohenfinow) eine Produktionsgenossenschaft des Handwerks (PGH) Tischlerhandwerk und eine PGH Schädlingsbekämpfung und in Hohenfinow selbst eine Versuchsstation des Instituts für Pflanzenschutzforschung Kleinmachnow.

Nach der Wende 1989/90 ist es der LPG Hohenfinow gelungen, sich zur Agrar- und Handelsgenossenschaft e.G. umzustrukturieren. Diese betreibt zudem einen Schlachthof im benachbarten Falkenberg, vornehmlich zur Verarbeitung und Veredelung eigener Produkte. Diese Genossenschaft ist somit der größte Arbeitgeber im Dorf.

Inzwischen hat sich in Hohenfinow auch eine Straußenfarm angesiedelt, die nicht nur landwirtschaftlich von Bedeutung ist, sondern auch im Bereich des Tourismus Aktivitäten entfaltet.

Die Anlage des Dorfes ist sehr eindrucksvoll. Ein mit vier Baumreihen bestandener Anger führt ausgehend vom Schloss hin zur Kirche. Dieser Angerbereich wird umschlossen von einer Bachgabelung. Die offene Südseite findet ihren Abschluss mit der ebenfalls im Angerbereich höher gelegenen Dorfkirche und dem daran anschließenden Gebäudeensemble. Die Kirche selbst, ursprünglich als dreischiffige Pfeilerbasilika mit Westturm, Chor und halbkreisförmiger Apsis in Feldsteinmauerwerk schon vor 1250 errichtet, hat u.a. auch durch Einwirkungen aus dem Dreißigjährigen Krieg hervorgerufen, mehrmalige Umbauten erfahren.

Nach einer umfassenden Restaurierung im Jahre 2004 erstrahlt die Kirche im neuen Glanz.

Gegenwärtig ist die Gemeinde dabei, unter Zuhilfenahme von Fördermitteln aus dem Bereich des Denkmalschutzes, das sogenannte Schäferhaus, ein Doppelstubenhaus (auch als „Querhaus“ bekannt), auf dem Anger unmittelbar angrenzend an den Kirchhof, originalgetreu zu rekonstruieren und fertig zustellen. Hohenfinow ist bemüht, die ehemaligen Ortsteile Karlswerk und Struwenberg (historische Wassermühle) sowie den Aussichtspunkt „Liebenstein“ auch touristisch zu erschließen. Diese sind ebenso wie die Nachbargemeinde Niederfinow auf der gegenüberliegende Seite eingebunden in die Tourismusprojekte Finowkanalzone und Eiszeitstraße.